Ungarn hat eine sehr alte Weinbau-Kultur, denn Weine aus Sopron und Eger waren schon im 13. Jahrhundert ein Begriff. Die Griechen führten den Weinbau in Ungarn von Südosten her die Donau und deren Nebenfluss Theiß aufwärts und die Römer von Westen her über die pannonische Ebene bis zum Plattensee ein. Trotz Hunnen-, Vandalen-, Goten-, Tataren- und Türken-Einfällen über viele Jahrhunderte hinweg wurde immer Wein angebaut. Sogar die Türken, die den größten Teil des Landes 160 Jahre besetzt hielten, unterdrückten trotz Wein-Verbot den Weinbau nicht, nahmen gerne die Steuern dafür ein, aber die Entwicklung war in dieser Zeit gehemmt. Karl der Große soll vom „Awarenwein“ so begeistert gewesen sein, dass er einige Reben mit nach Deutschland nahm.
Vom ungarischen König Matthias Corvinus (1440–1490), der in seinen letzten fünf Lebensjahren in Wien residierte, ist die Aussage überliefert, dass das ganze Volk Wein haben solle und die Weinbauern hoch zu achten seien. Im Mittelalter spielte die Kirche wie in fast allen anderen Ländern auch in Ungarn eine tragende Rolle für die Verbreitung der Weinkultur. Entscheidend mit der Wein-Geschichte Ungarns verbunden ist der berühmte Tokajer. König Béla IV. (1235–1270) holte Italiener ins Land, die den Furmint mitbrachten. Nach der Reblaus-Katastrophe und den beiden Weltkriegen verlegte man sich auf die Produktion von Massenweinen. Seit den politischen Umwälzungen des Jahres 1989 und Neugründung des Weinbauverbandes geht es aber mit dem Weinbau wieder sehr steil aufwärts.
Es herrscht mitteleuropäisches, kontinentales Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern vor. Die geographische Breite entspricht in etwa dem französischen Burgund, was aromatische Weißweine ergibt. Rund 2.000 Stunden Sonnenschein jährlich begünstigen aber auch die Produktion von Rotweinen. Die vom Norden nach Süden fließende Donau teilt das Land in etwa zwei große Hälften. Mit dem Weingesetz von 1997 wurden insgesamt 22 Weinbau-Gebiete definiert, die sich auf drei große Regionen aufteilen. Im Westen liegt Transdanubien, das von den Grenzen zu Österreich, Slowenien und Kroatien im Westen bis zur Donau reicht. Im Zentrum liegt der Balaton (Plattensee), der mit 591 km² größte See Mitteleuropas. Zusammen mit dem Neusiedlersee und der Donau wird ein sehr positiver klimatischer Einfluss auf den Weinbau ausgeübt.
Die 15 Weinbau-Gebiete im Riesenbereich sind Ászár-Neszmély, Badacsony, Balatonboglár, Balatonfüred-Csopak, Balatonfelvidék (früher Balaton-Mellék), Balatonmelléke (früher Zala), Etyek-Buda, Mecsekalja, Mór, Pannonhalma-Sokoróalja, Somló, Sopron, Szekszárd, Tolna und Villány-Siklós. Im Südosten zwischen Donau und Theiß liegt das große Pannonische Tiefland mit sandigem, steppenartigem Boden, im ungarischen Alföld genannt. Die Weingärten üben hier einen festigenden Einfluss auf den Boden aus. Im Sommer gibt es häufig die Ernte gefährende Dürre und im Winter Frost. Die Weinbau-Gebiete sind Csongrád, Hajós-Baja (früher Hajos-Vaskút) und Kunság (früher Kiskunság). Das Nordmassiv liegt im Norden in den Ausläufern des Mátra-Gebirges nahe der Grenze zur Slowakei. Die Weinbau-Gebiete sind Bükkalja, Eger mit dem Stierblut, Mátraalja und Tokaj-Hegyalja mit dem Tokajer.
Ungarn ist mit rund zwei Dritteln der Produktion ein Weißweinland. Im Jahre 2000 wurden von 91.000 Hektar Rebfläche rund drei Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Der Olaszrizling (Welschriesling) ist die häufigste weiße Sorte, die besonders am Balaton (Plattensee) ausgezeichnete Weine erbringt. Der säuerliche Furmint, der duftige Hárslevelü, der kräftige Kéknyelü (Blaustengler), der würzige Sargamuskotály (Gelber Muskateller) und der Szürkebarát (Pinot Gris) sind weitere bekannte weiße Sorten. Die wichtigste rote Sorte ist Kékfrankos (Blaufränkisch). Weitere sind Kadarka, Kékoporto (Blauer Portugieser), Nagyburgundi (Pinot Noir), Médoc Noir (Merlot) und Cabernet Sauvignon. Zu den größten Produzenten zählen die riesige Kellerei Hungarovin in Budapest, Gia in Eger und Balatonboglári RT in Balatonboglár. Die Angaben auf dem Flaschen-Etikett sind zumeist kurz und bündig. Dem Ortsnamen mit der Endung „i“ (was dem deutschen „er“ entspricht) wird gewöhnlich die Rebsorte angefügt, zum Beispiel Soproni Kékfrankos (Blaufränkischer aus Sopron). Féherbor = Weißwein, Vörösbor = Rotwein, Pezsgö = Sekt, száraz = trocken, félszáraz = halbtrocken, édes = süß, félédes = halbsüß.
Weinbau in Ungarn
Ungarn
Der Weinbau in Ungarn wird bereits seit der Antike betrieben, als große Teile des später von Magyaren besiedelten Ungarns (z.B. Szombathely) Bestandteil des römischen Reiches waren. Im Mittelalter waren Weine aus Ödenburg (Sopron) und Eger bekannt und beliebt.
Auch unter der türkischen Besatzungszeit, als der Ostteil Ungarns türkisch war, wurde dort weiter Weinbau betrieben, da sich der Sultan von Konstantinopel diese Einnahmequelle nicht verschließen wollte.
Während des Kommunismus litt der ungarische Weinbau sehr, da die Kellertechnik in vielen Betrieben hoffnungslos veraltet war. Dennoch gelang es den Ungarn auch in dieser Zeit einige große Weine wie den Tokajer zu keltern.
Weine aus Ungarn bieten ein überragendes Preis-Leistungsverhältnis. Bereits für um die 500 Forint (ca. 2 Euro) sind anständige Rotweine (z.b. Egri Bikavér, Erlauer Stierblut) erhältlich, die einen Vergleich mit Massenbordeaux nicht scheuen müssen. Einfache Qualitätsweine werden sogar für deutlich weniger gehandelt.
Mittlerweile haben sich insbesondere am klimatisch begünstigten Nordufer des Plattensees einige Weingüter etabliert, die gehaltvolle rote Chateaux-Weine (der Begriff findet sich auf den ungarischsprachigen Etiketten) in gehobener Barrique-Qualität mit bis zu 14,5 Volumenprozent produzieren.
Heute finden sich in ganz Ungarn zahlreiche Weinbauregionen:
Ászár-Neszmély 1400 ha
Badacsony 1600 ha
Balatonfüred-Csopak 1700 ha
Balaton-felvidék 2500 ha
Bükkalja 980 ha
Csongrád 1850 ha
Balaton Süd 2600 ha
Eger 3200 ha
Etyek-Buda 1770 ha
Hajós-Baja 1400 ha
Kunság 25600 ha
Mátraalja 7280 ha
Mecsekalja 500 ha
Mór 900 ha
Pannonhalma-Sokoróalja 630 ha
Somló 500 ha
Sopron 1370 ha
Szekszárd 1900 ha
Tokaj-Hegyalja 5250 ha
Tolna 2130 ha
Villány-Siklós 1600 ha
Ungarn erzeugt 1,8% aller Weine in Europa, und liegt damit 8. Stelle der weinerzeugenden Nationen.
Zum Vergleich: Deutschland 6% (4. Stelle), Österreich 1,2% (9. Stelle).

Budai
Der Nyakas Weinkeller befindet sich 25km westlich von Budapest. Das hier liegende ungarische Weinanbaugebiet ist die hinterbliebene Weingegend der ehemaligen Weingegend von Budai-Sashegyi, sie ist ideal für den Anbau von Weißwein.
Im Jahre 1997 ist dieses Gebiet als Budaer Weinregion wieder neu entstanden. Der Weinbau wurde hier schon seit Jahrhunderten betrieben und besitzt eine große Tradition.
Der eisenhaltige Boden und das speziale Mikroklima sind die Grundlage für die wohlschmeckenden Weissweine. Die klimatischen Bedingungen ähneln der der Champagne.

Eger
Dieses alte, barocke Städtchen ist im Ausland in erster Linie von seinem ungarischen Wein berühmt. Trotz der ökologischen Gegebenheiten, die zum Weißweinbau günstig sind, ist der Name „Erlauer Stierblut" weltweit bekannt und dieser Wein hat die Stadt Eger und ihre Umgebung berühmt gemacht.
Unter der Stadt Erlau erstreckt sich ein riesig ausgedehntes Höhlen- und Kellersystem. Die Stadt ist durch diese miteinander verbundenen Kellerzweige auch unter der Erde in ihrer ganzen Breite passierbar. Ein Teil dieser Höhlen ist natürlichen Ursprungs, die Mehrzahl ist aber künstlich ausgestaltet und mit Schnitzereien geziert.
Fläche: 35160 Hektar. Klima: wenig Niederschlag, langer Winter. Boden: vulkanische Gesteine, Rhyolittuff.
Reb-und Weinsorten: Blaufränkisch, Cabernet, Merlot, Blauer Portugieser bilden das Grundmaterial für das Erlauer Stierblut. (Die Charakteristika des Weins sind: harmonisch, körperreich, samtig, herb, feurig, - er erhält sein charakteristisches Bukett nach langem Ausbau in Holzfässern.) Aus der Rebe Mädchentraube (Leányka) wird der mild süßliche, fruchtreiche ungarische Wein mit komplexer Geschmacksharmonie hergestellt. Welschriesling - harmonisch, fein, charakteristischer Duft, elegant säurig.
Vergleichen viele Villány mit Bordeaux, ziehen andere Parallelen zwischen Eger und Burgund.
Es gibt örtliche Sorten (Kadarka, Blaufränkischer) und Weltsorten (Cabernet, Pinot Noir), man verfügt über ein phantastisches Klima und über auch im Landesmaßstab große freie Flächen, die sich hervorragend für den Weinbau eignen. Hier ist also das Potential für ein Wachstum vorhanden. Da ist es kein Zufall, dass immer mehr neu gegründete Weinkeller mit ihren Produkten auf dem Markt erscheinen und der Erlauer Wein in den kommenden Jahren einer Renaissance entgegensieht. Der Stierblut kann, wie schon vor 50-100 Jahren, wieder in die Reihe der berühmtesten Weine aufrücken.

Tokaj
An der Südseite des Zemplén - Gebirges, in einem Dreieck umgeben vom Sátor-hegy von Abaújzántó, dem Sátor-hegy von Sátoraljaújhely und dem Kopasz-hegy von Tokaj entstand ein geschlossenes Weinbaugebiet, das um seine klimatischen Gegebenheiten und Weinanbaumöglichkeiten auf der ganzen Welt beneidet wird.
Das Weinanbaugebiet von Tokaj-Hegyalja umfasst eine 275 qkm große Fläche, ca. 55 km lang und 30 km breit.
Die Herstellung des Tokajers
Es gibt Leute, die meinen, der Tokajer Aszu Wein jedes Jahr ,,wächst" und nur von einer gewissen Rebe erzeugt wird. Beides beruht auf falschen Vorstellungen. Aszu wird nur in sogenannten guten Aszu-Jahren (etwa 3-4 in einem Jahrzehnt!) produziert. Im Prinzip kann man Aszu aus Reben erzeugen, die zur Trockenbeerenbildung geeignet sind. Tokajer Aszu Wein kommt aber nur aus Tokajhegyálja, wo er aus den Furmint- und Lindenblättriger-Reben (gelegentlich auch aus Muskateller und Oremus) gekeltert wird.
Aszu-Beeren (Trockenbeeren) können sich nur in einem langen, warmen Herbst entwickeln. Nach einem nassen, regnerischen Sommer werden die in Reife befindlichen, beschädigten und angegriffenen Beeren von dem Edelfäulepilz (Botrytis cinerea) befallen. Falls dann trockene und sonnige Wochen folgen, geht der Vorgang in eine Edelfäule über -- auch in den unversehrten Beeren. Der Zuckergehalt der Beeren erhöht sich von den anfanglichen etwa 20-25% bis auf 50-70 Prozent.
Wenn aber das Wetter regnerisch bleibt, tritt die Edelfäule nicht ein, sondern es kommt zu einer sogenannten ,,Grünfäulnis", und die Trauben faulen in zwei bis drei Wochen ab. Außerdem so gefürchteten Hagel ist die Grünfäulnis die zweite, ganz große Sorge für das ganze Tokajer Weingebiet. Bei sonnigem und dunstigem Wetter - die Flüsse Bodrog und Theiß sowie deren Moor-Umgebungen liefern die Feuchtigkeit - dringen die Pilzfäden des Botrytis in die Beeren ein. Sie werden weich, die Beerenhaut wird immer dünner. Das Wasser kann jetzt verdunstem und die Beeren schrumpfen, bis der Zustand der Aszu-Beeren erreicht wird. Die in die Beeren eingedrungenen Pilzfäden verringern die Weinsäure und erzeugen die besonders feinen und schwer bestimmbaren Geschmack- und Aromastoffe, die den Tokajer Aszu so stark prägen.
Außerdem bildet der Edelpilz noch verschiedene Substanzen in den Beeren, die zum Charakter dieser Weine deutlich beitragen. Weiterhin gibt der Edelpilz dem Wein noch einen besonderen Zug, einen besonderen Ton, den man in der Weinsensorik als Botrytiston bezeichnet.
Der hohe Zuckergehalt wird von den ausreichend vorhandenen Säuren gut ausgeglichen. Es gibt Jahre, in denen die Bedingungen für die Edelfäulebildung nicht ausreichen. Dann kann man aber Szamorodni oder ungarische Qualitätsweine keltern.
Bei der Weinlese werden die geschrumpften und befallenen Aszu-Beeren auf großen Sortiertischen aussortiert, oder aber mit mehreren Gängen durch den Weinberg einzeln ausgelesen. Das ist aber relativ selten der Fall. Diese Arbeiten verlangen sehr viel Zeit, sie sind sehr unproduktiv. Eine geschickte Pflückerin kann an einem Tag 8-11 kg aussortieren.
Die Beeren werden in einem offenen Bottich oder mit Hilfe von Gummiwalzen zu einem teigartigen Brei verarbeitet, hierbei dürfen aber die Traubenkerne nicht zerquetscht werden. Dann wird auf 3, 4, 5 oder 6 Bütten (Puttonyos) von diesem Aszu-Brei ein Göncer Faß (ca. 136 Liter) Neuwein aufgegossen und 16-48 Stunden lang unter gelegentlichem Rühren weichen gelassen. Nach dem Pressen wird der Most in Holzfässer gefüllt, und zwar nur soviel, dass oben noch 10-20 cm Hohlraum über dem Tokajer Wein stehen.
Abgezogen wird der Aszu im ersten Jahr dreimal, im zweiten zweimal und im dritten einmal. Weil im Weingebiet die Schwefelung kaum noch verwendet wird, darf man - um den Alkoholgehalt zu halten - den verflüchtigten Alkohol durch Weingeist ersetzen.So wird aus ihm z. B. ein 5-büttiger (puttonyos) Aszu, jedoch erst frühestens nach 6-7 Jahren. Den Aszu läßt man mindestens so viele Jahre lang in den kleinen Göncer Holzfässern reifen, wieviel Bütten von dem Brei aufgegossen worden sind. Im aIlgemeinen wird die Reifezeit - je nach Jahrgang - mit der Büttenzahl plus 1-2 Jahren bestimmt. Die aus dem Eichenholz gefertigten Reifefässer werden viele Jahre lang verwendet.
Der Aszu wird im reifen Zustand auf die Flasche gezogen, er verfeinert sich aber noch weiter. Je höher seine Büttenzahl liegt, desto lagerungsfähiger bleibt er in der Flasche. Die besten können ohne größere Qualitätseinbußen sogar jahrhundertelang in der Flasche aufbewahrt werden. Im Museumskeller des Weinkombinats liegen Flaschen, die 200 bis 300 Jahre alt sind. (Sie sind aber nicht verkäuflich.)
In früheren Jahrhunderten haben die Winzer auch 1-2 büttigen Aszu bereitet. Heute schließt die Erzeugung nur die 3-6 büttigen Weine ein. Je größer die Büttenzahl, je höher der Zuckergehalt der Beeren, desto süßer sind natürlich auch die Weine.
Die zuckerfreien Extraktstoffe liegen bei mindestens 30 g/l (3 büttiger Aszu), und je nach der Buttenzahl immer um 5 g/l höher. So muß der 6 büttige Aszu mindestens 45 g/l aufweisen. Der Tokajer Aszu ist ein eigentümlicher, schwerer, etwas dickflüssiger, sehr aromareicher, köstlicher Süßwein. Er hat eine Mischung von Furmint-, Honig-, Nuß-, Brotrinde-, gelbe Melone- und Pfirsich-Johannisbrot-Aromen und einen sehr langen Abgang. Er ist kein Likörwein, wie man es noch hier und da fälschlicherweise glaubt, und er ist auch kein alkoholverstärkter Wein wie der Port, der Marsala oder der Madeira.
Der Aszu ist ein feiner Natursüßwein. Wenn man ihn von der unsicheren Beerenernte bis zum Ausbau in kleinen Fässern verfolgt und seinen Geschmack kostet, kommt man eigentlich zur Schlußfolgerung, dass dieser Wein einer sehr hohen Wertschätzung wirklich würdig ist.
Ihm wurden und werden keine wundersame Arome - wie den soeben erwähnten, verstärkten Weinen - beigemischt. Die jahrlich erzeugte Aszumenge hängt nicht von der Entscheidung einer Kommission, wie z. B. beim Portwein, sondern allein von der Natur, vom Wetter ab.
Der Tokajer Aszu paßt hervorragend zu Gänseleber (Paté de foie gras) oder Leberpasteten. Er begleitet und ergänzt sehr gut viele Desserts und Süßspeisen. Man kann ihn aber auch als Aperitiv trinken. Ein Gläschen Aszu in einer Mußestunde oder nach einem langen Tag, das ist ein wahrer Genuß!
Man kann die Aszu-Flasche in angebrochenem Zustand mehrere Wochen aufbewahren, an der Qualität des Tokajer Weines wird dadurch nichts eingebüßt. Kein anderer Wein behält seine Aromastoffe und Komponente unbeschadet so lange in der angebrochenen Flasche wie der Aszu. Der Aszu und die Esszencia gehöhren zu den großen Provenienzen, die viele Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte aufbewahrt werden können. Langlebigkeit gehört bei diesen Weinen zu ihrer Größe.
Falls bei Aszu-Bereitung auch Muskateller-Beeren eingemischt werden, entsteht der Muskatelier Aszu (Muskotályos Aszu). Das Mischverhältnis ist nicht vorgeschrieben. Die Erfahrungswerte werden von Generation zu Generation weitergegeben. Der Muskateller-Aszu duftet sehr kräftig und, weil seltener sowie in kleinerer Menge bereitet, suchen ihn manche Aszu-Liebhaber mit Vorliebe.
Der für den Weinbau sehr geeignete Boden von Tokaj entstand aus den auf dem Vulkangestein abgelagerten zertrümmerten Ergußsteinen, die sich mit Lösschichten, die durch den Wind zerstreut wurden, vermischten. Der wichtigste Bestandteil des hiesigen Bodens ist der Schutt von Trachyt.
Durch die an Minaralstoffen reichen vulkanischen Gesteine beziehungsweise Ihre Töffe entwickelten sich in der Region ungewöhnliche Bodenverhältnisse.
Das generell trockene Klima begünstigt den ungarischen Weinbau. Zum guten Ertrag trägt auch die Niederschlagsmenge bei, die im Winter und Frühling durchschnittlich 400 bis 500 mm beträgt. Der Sommer ist sehr warm, der Winter dagegen etwas kälter als der Landesdurchschnitt. Bereits im Stätherbst greifen orkanartige Nordwinde die Trauben - und die Gesichter der Weinleser - an. Das harte und trockene, jedoch äußerst sonnige Wetter ist ein Gottesgeschenk an die Weinbauern.
Durch den oft langen und warmen Herbst ist es möglich, die Lesezeit bis November Hinauszuzögern.

Kunsag
Auf dem Sandboden des Tieflands ist die ungarische Weingegend mit der größten Ausdehnung des Landes zu finden. Ein Teil der Reben wurde zwecks Bindung des Flugsandes gepflanzt. Der hier wachsende Wein ist teilweise guter Alltagswein sowie hervorragende Qualitätswein.
"Damit, dass er ein Wirtschaftswein ist, liegt es nicht in meiner Absicht ihn zu unterschätzen. Im Gegenteil. Das Gasthaus ist eine der wichtigsten Institutionen unserer Zivilisation, viel wichtiger als das Parlament. An einer Stelle werden Wunden erteilt, an der anderen Wunden geheilt." (Béla Hamvas)
Fläche: 28020 Hektar.
Klima: ein an Niederschlag armes Gebiet. Charakterisiert von heißem, sonnigem Sommer und trockenem Winter.
Boden: hauptsächlich Sand und Löss.
Reb- und Weinsorten: Tausendgute (Ezerjó), Steinschiller (Kövidinka), Aranysárfehér - milde Weine mit hohem Zucker- und Alkoholgehalt. Blaufränkisch - fein, würzig, leicht. Kadarka - rubinrot, würziger Duft, aromatisch.
Villany
Die Zeit schreibt über das Weingebiet:
© DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48
In glücklicher Lage
In Villány machen deutschstämmige Winzer betörenden Rotwein Von Michael Allmaier
Wenn Villány ein Wein wäre, dann müsste man sagen: Er ist noch verschlossen. Man kann hindurchfahren auf der Landstraße, die von Pécs in Südungarn bis hinab nach Kroatien führt, ohne auch nur zu ahnen, was an diesem Städtchen besonders ist. Ein paar alte Häuser am Straßenrand, deren bunte Türen einen Spalt offen stehen. Ein paar Wegweiser mit deutsch klingenden Namen. Aber wer im Herbst kommt, der kann es riechen. Überall hängt dieser süßsaure Gärgeruch in der Luft und mit ihm die, die er angelockt hat. Es ist nicht möglich, ein Glas Wein zu trinken, ohne dass sich Fruchtfliegen darin ertränken. Was immer man sonst über den Geschmack einer Million Fliegen sagen mag: Hier sind sie richtig. Villány ist einer der interessantesten Weinorte der Welt.
Was Spiegel Online zu Villany schreibt, lesen Sie hier.
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