Weingläser
Erste Trinkgefäße, die häufig nur einem bestimmten Zweck dienten, sind zum Beispiel aus dem Alten Ägypten für die Zeit zwischen 2660 und 2160 v. Chr. überliefert. Bei den Weingläsern bestimmten die Herstellungsmöglichkeiten Form und Ausgestaltung der Weingläser, ebenso die Tradition und der Zeitgeschmack, sowie ab dem 18. Jahrhundert die verfeinerten Tafelkultur. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts rückten Fragen zur Physiologie des Weintrinkens in den Vordergrund, verbunden mit den Formen der Gläser.

Geschliffene Weingläser
Mit den wachsenden Ansprüchen der sich im 18. Jahrhundert entwickelnden Tafelkultur kam auch der dekorativen Ausgestaltung von Weingläsern immer größere Bedeutung zu. Das daraus abgeleitete Schmuckbedürfnis breiter Bevölkerungsschichten hielt bis in die Mitte der 1920er Jahre an und schlug sich in einem großen Angebot von Tafelgarnituren und Einzelservicen für bestimmte Getränke nieder. Weingläser wurden kunstvoll bemalt, geschliffen, graviert, geätzt und vergoldet. Mit dem Art Déco setzten sich dann auch die seit der Jahrhundertwende diskutierten Zweckformen endgültig durch, und Dekore waren obsolet.
Glasdesign im 20. Jahrhundert
Ein Weinglas besteht aus dem Kelch, in den der Wein eingefüllt wird, aus dem Stiel und aus einem Fuß zum Abstellen. Ein langer Stiel verhindert, dass sich der Wein beim Trinken durch die Hand erwärmt. Die Form des Kelches hat nach den Erfahrungen der Glashütte und der Verkostungen Einfluss darauf, welche Geschmacksnerven der Wein verstärkt anspricht und ob damit das Geschmacksempfinden mehr von der Säure, von der Frucht oder von der Süße beeinflusst wird.
Einer der ersten, die sich mit den Fragen nach der Funktion des Glases, nach dem Zusammenspiel von Glas und Eigenart des Weines beschäftigten, war der österreichische Unternehmer und Glasdesigner Claus Josef Riedel (1925-2004). Anfangs wurde er belächelt, aber mit der Zeit setzte sich die Erkenntnis durch, dass Gläser, wie man sie bisher benutzt hatte, kaum geeignet waren, edle Weine optimal zur Geltung zu bringen. Die heutigen gestalterischen Prinzipien des Glasdesigns basieren weitgehend auf seinen Erkenntnissen und Entwürfen. Die revolutionäre Glasserie „Sommeliers“ ist die bekannteste unter seinen ästhetischen langstieligen, hauchdünnen und zerbrechlich wirkenden Glaskreationen.
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Jüngste und kleinste Glashütte Bayerns
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Im Dezember 1952 wurde in der damals jüngsten und kleinsten Glashütte Bayerns, der Glashütte Eisch, das erste Glas geschmolzen. Trotz großer Anfangsschwierigkeiten konnte die Hütte bereits 1956 zu einem 12-Hafen-Ofen erweitert werden.
Klares und farbloses Glas mit glatter Oberfläche schafft die Voraussetzung für die sichere Beurteilung von Farbe und Reinheit des Weines. Schliffe und Gravuren wirken sich störend aus; allenfalls kleine Beschriftungen sind akzeptabel.
Tulpenförmige Gläser eignen sich besonders für Schaumweine, weil sich der Schaum an den dünnen und relativ hohen Wänden gut aufbaut. Weißweine benötigen dagegen ein apfelförmiges Glas mit leicht verengter Öffnung. Das Bouquet bleibt im Glas und wird von der Nase besser aufgenommen. Rotweine verlangen mit ihren üppigen Aromen nach einem größeren bauchigen Kelch mit relativ großer Öffnung; er sorgt dafür, dass sich der Wein beim Trinken in der gesamten Mundhöhle verteilt. Die süßen, in kleinen Mengen getrunkenen Dessertweine kommen in einem eher kleinen Kelch am besten zur Geltung; ihr Geschmack wird dadurch besonders auf der Zungenspitze wahrgenommen.
Gläser für Degustation und professionelle Verkostung
Eine besondere Stellung unter den Gläsern nehmen die Probiergläser ein. Diese farblosen, nach ISO 3591 genormten Wein-Degustationsgläser erinnern an kleine Weißweingläser oder an Sherrygläser. Bei Füllmengen von 0,1 bzw. 0,05 Litern reicht eine Normalflasche (0,7 oder 0,75 Liter) für sieben oder aber 15 gleichgroße Proben-Portionen.
Spezielle Weingläser gibt es auch für die Verkostung, also der Bewertung der charakteristischen Merkmale eines Weines wie z.B. Klarheit, Farbe, Geruch, Geschmack, Säure, Körper, Aroma, Bukett und Alter. Das berühmteste unter den dafür verwendeten Gläsern ist französischen Ursprungs und trägt den Namen l'Impitoyable, das Unbestechliche. Der Kelch dieses Glases ist eng geschlossen und spitz fokussiert, was die Geruchsstoffe des Weines gezielt in die Nase führt. So kann der Fachmann auch kleinste Weinfehler erkennen.
Umgang mit Wein und Gläsern
Weingläser sollten höchstens halb gefüllt werden. Deshalb ist es ratsam, sich zum Beispiel in Gaststätten den Wein in einem Krug oder besser noch in einer Karaffe servieren zu lassen. Das Bouquet kann sich nur in einem Glas entfalten, in dem genug Luftraum über dem Weinpegel vorhanden ist.
Bei der Beurteilung des Inhalts wird das Glas geschwenkt, also mit leicht kreisenden Bewegungen um die Vertikale in Bewegung versetzt, um den Wein die freie Innenfläche des Kelches benetzen zu lassen. An dieser ablüftenden Glasfläche entsteht dann der Geruchseindruck, den die Nase aufnimmt. Ein zu volles Glas hat zu wenig von dieser freien Glasfläche, was den "Naseneindruck" verfälscht. Aufgrund seiner offenporigeren Materialbeschaffenheit bietet Bleikristall dem Wein von vornherein eine größere Benetzungsfläche und lässt ihn stärker als bei Kristallgläsern an der Glaswand haften. Dies spielt für die Wahrnehmung durch die Nase eine merkliche Rolle, weil der Wein an der Glaswandung eines Bleikristallglases intensiver verdunstet.
Auch dem Glasrand wird ein gewisser Einfluss auf das Geschmackserlebnis zugemessen; er sollte dünn und perfekt geschliffen sein, also nicht zu dick oder gerundet (Rollrand). Der optimale Rand sorgt dafür, dass der Wein die Oberfläche der Zunge schnell und gleichmäßig benetzt. Außerdem hilft er, den Wein in möglichst kleinen Schlucken zu dosieren.
Des Weiteren sollte das Weinglas nicht am Bauch, sondern nur am Stiel angefasst werden, damit sich die Temperatur des Weines nicht durch die Handwärme erhöht. Die Gläser sollten in etwa die Temperatur haben, die auch für den Wein richtig ist, also 8 bis 10 °C für Weißwein, und 15 bis 17 °C für Rotwein. Die Wandung sollte gerade so dick sein, dass abweichende Temperaturen des Weinglases keinen merklichen Einfluss auf den Wein haben. Andernfalls wird der Wein entweder zu warm, oder das Glas beschlägt, so dass die optische Beurteilungsmöglichkeit darunter leidet.
Beim Trinken von Schaumweinen sollte man auf die häufig verwendeten flachen Schalen verzichten, weil die Kohlensäure wegen der großen Flüssigkeitsoberfläche zu schnell entweicht. Ein anderer, häufig vernachlässigter Aspekt ist in diesem Zusammenhang die gezielte Perlage. Dazu wird bei Sekt- und Champagnergläsern in der Produktion bewusst ein kleiner Fehler, der sogenannte Moussierpunkt, an der Innenseite erzeugt. An dem angegossenen Punkt oder einer angeschliffenen Stelle abseits der Mittelachse setzen sich die Kohlensäure-Bläschen ab und steigen als Schnur aus feinen Bläschen auf.
Herstellung
Hochwertige Weingläser werden heutzutage immer noch in Handarbeit hergestellt, die Masse wird aber maschinell gefertigt.
In Blasformmaschinen wird ein endverschlossenes, bis zur Formungstemperatur erhitztes Glasrohr in eine teilbare Form geführt und die Form mittels Pressluft-Druck am kalten Rohrende von innen aufgeblasen. Die Wandstärke verringert sich hierbei mit zunehmendem Durchmesser, denn das Volumen bzw. die Masse an Glasschmelze ist konstant. Die Form teilt sich, das heiße, maschinengeblasene Glas wird entnommen. Der verbleibende Oberballon wird durch Einritzen ringsum angebrochen und abgeschlagen. Der vom Abschlagen scharfe Rand wird umgeschmolzen und so entgratet.
Diese maschinelle Herstellungstechnik ist zuallermeist an ihren Längsnähten entlang des Stieles und des Fußes erkennbar; meist nur im Kelchbereich / Sichtbereich wird die Wanddicke der Naht durch eine Nachschmelze vergleichmäßigt.
Handwerklich wird ein Weinglas ebenso per Druck und Blasen hergestellt, jedoch von einem Glasbläser an der sogenannten Glasmacherpfeife. Ohne eine Form für die Außenkontur obliegt es dem Geschick und der Erfahrung des Glasbläsers, über eine gezielte Erhitzung und den Druckaufbau per Mund den Kelch zu formen. Diese Herstellungstechnik des Mund-Blasens ist wesentlich aufwändiger und erzeugt mehr Ausschuss. Daher sind mundgeblasene Gläser wesentlich teurer. Ebenso spielen die Material-Einsatzkosten eine große Rolle: Die üblichen Bleikristall-Gläser sind bereits zur Materialgewinnung erheblich aufwändiger.
Weingläser werden von vielen Firmen hergestellt. Die Preisspanne reicht von wenigen Cent bis zu über 150,- Euro für ein Sommeliers - Weinglas als Einzelanfertigung.
Ein empfindliches Produkt – Weingläser
Gegenüber dem Wein, endet die Sorgfalt nicht mit der Verantwortung des Kellermeisters und der Abfüllung auf die Flasche. Vielmehr gilt es, die Qualität des Weines von der Flasche in das Glas zu bringen.
Das ist gar nicht so einfach, da Wein, zumindest feiner Wein, möglichst wenig behandelt werden soll. Zwischen der Abfüllung und dem Genuss liegen meist Monate, wenn nicht sogar Jahre. In dieser Zeit ändert sich der Wein beständig. Dieses erfolgt durch Wärme- und Kälteeinfluss, durch Kontakt mit Sauerstoff und durch chemische Reaktionen in ihm selbst.
Darum kommt es darauf an den Wein richtig zu lagern und richtig zu servieren. Es ist zwar kein langlebiges Produkt, aber ein höchst empfindliches.
Wie hat der Kufsteiner Glasmacher Georg Riedel einmal erbost geäußert "Ihn aus einem ungeeigneten Glas zu trinken ist etwa so schlimm, wie Pavarotti mit einem Knebel im Mund auf die Bühne zu schicken“.
Daher ist es wichtig, um ein Gefühl für die Qualität feiner Weine zu entwickeln, sich auch das Wissen um die rechte Behandlung von Wein anzueignen.
Dünnwandig und wohlgeformt
Champagner und Schaumweine
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trinkt man aus schmalen, hochgezogenen, tulpenförmigen Gläsern
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müssen hoch genug sein, damit sich die Mousse ( der Schaum) aufbauen kann
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das Auge trinkt mit - die Bläschen (Perlage) sollen gut sichtbar sein
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der Kelch selbst ist dünnwandig
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die temperaturempfindlichen Lippen spüren die erfrischende Kühle
Leichter Weißwein
ideal für leichte und mittelschwere Weißweine, die ihre blumig-fruchtigen Primäraromen sofort freigeben
Bsp. Riesling, Sancerre, Soave, Pinot Grigio ….
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Glas mit schmalen Durchmesser und kleinem Volumen
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durch geringe Dimensionen werden die Düfte noch konzentriert, während die Zunge vor allem den süßen Fruchtschmelz wahrnimmt
Körperreiche Weißweine
ideal für gehaltvolle Weißweine, die atmen müssen und von Natur aus eine milde Säure aufweisen beziehungsweise eine malolaktische Gärung durchgemacht haben
Bsp. Chardonnay (Barrique), Sauvignon Blanc (Barrique), Riesling Spätlese, schweizerische Chasselas
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Gläser mit einem größeren Volumen
Tanninrarme Rotweine
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relativ große Öffnung
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Wein fließt auf breiter Front in die Mundhöhle
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führt ihn zu allen Stellen, an denen Frucht und Säure zur Geltung kommen,
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nicht nur die spezialisierte Zungenspitze, sondern auch andere Zungenpartien werden gereizt
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vor allem geeignet für Burgunderweine, Blaufränkisch, Barbera, Gamay, Pinotage o.ä.
Tanninstarke Rotweine
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hoher Duftkamin → führt das Bouquet konzentriert zur Nase
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enge Öffnung → der Wein wird auch an der Zungenspitze wahrgenommen, so dass der erste Geschmackseindruck von der fruchtigen Säure geprägt ist
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dünnes Glas → Temperatur teilt sich sofort den Lippen mit
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geeignet für jungen Bordeaux, Rioja, Chianti o.ä.
Schwere Rotweine
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großer Durchmesser des Glases → Wein bekommt viel Kontakt mit der Luft
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dadurch kann sich der Alkohol entfalten, dieser ist zugleich auch Geschmacksträger
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Fülle und Komplexität kommen besser zum Ausdruck
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hoher Stiel → verhindert, dass die Temperatur der Hand die Temperatur der Flüssigkeit beeinflusst
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ideal geeignet für reife Burgunder, Barolo, Brunello di Montalcino, Syrah o.ä.
Dessertweine
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relativ kleine Kelch ist den geringen Mengen angepasst
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edelsüsse Dessertweine werden nur schluckweise getrunken
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Wein fliesst über die Zungenspitze hinweg an die Zungenränder
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die außerordentliche Geschmacksfülle wird schärfer wahrgenommen, nicht aber die Restsüße verstärkt
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geeignet für Auslesen, Sauternes, Grains Nobles o.ä.
Sherry und Portwein
Hier handelt es sich um körperreiche Weine, die einen Alkohlgehalt von über 18 Vol.% aufweisen. Beim Verkosten darf aber nie der Alkohl im Vordergrund stehen.
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Kleine, enge Gläser → verhindern, dass der Alkohol verfliegt und das Bouquet brandig macht
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Öffnung des Glases ist sehr eng → verhindert die Nase tief ins Glas zu senken und somit wird der hohe Alkohlgehalt kaum wahrgenommen
Zu den Weingläsern geht es hier.
