Tokajer
Die Mythologie sagt:
" Auch der ungarische Himmel war voll von Göttern und wo Götter lebten, da wurden auch Feste gefeiert. Ganimedes, der Hofschenk der Götter, trat einmal mit einem vollen Pokal Wein zu Jupiter, konnte aber die Hitze, die aus dem Pokal kam, nicht aushalten und hat ein wenig von dem Wein ausgeschüttet. Gerade auf die Region Tokaj. Deshalb ist der Tokajer Wein dem Getränk der Götter so ähnlich."
Sage oder Wirklichkeit? Probieren Sie es aus!
Dieser Dessertwein aus Tokaj wird aus Beeren hergestellt, deren Lese spät ab dem 18. Oktober beginnt. Der Prozess der Weinlese in Tokaj wird deshalb so lange herausgezögert, damit der Schimmelpilz "Botrytis Cinerea" die voll- und überreifen Beeren befällt. Die Schimmelpilze durchdringen die Haut der Beeren, wodurch Wasser verdunstet, so dass sich Zucker- und Extrakt-Gehalt start erhöhen. Dadurch entstehen aromatische Trockenbeeren.
Die Puttonyos
Bei z.B. dem 6 puttonyos Aszú werden 6 Butte (25 kg je Butte) Aszú-Teig auf ein Göncer Fass (136l) Most aufgegossen. Daraus wird der Aszu - Wein gewonnen. Bei den anderen Aszú´s entsprechend (3,4,5 put.).
Das Ergebnis sind besonders köstliche und noble Geschmackstoffe im Rebensaft, Aromen und Düfte, die nur dem Tokajer Aszú eigen sind.
Die Qualifikation der Tokajer Weine laut der Publikation des ungarischen Weinkollegiums:
1972 ausgezeichneter Jahrgang in Tokaj
1993 ausgezeichneter Jahrgang in Tokaj
1996 guter Jahrgang in Tokaj
1999 ausgezeichneter Jahrgang in Tokaj
2000 ausgezeichneter Jahrgang in Tokaj
Welches Geheimnis steckt hinter den Tokajer Weinen, insbesondere dem Aszú? Diese Frage beschäftigt die Forscher schon seit Jahrhunderten, An den Rebsorten allein kann es nicht liegen, diese existieren auch anderswo bzw. wurden versuchsweise in mehreren Ländern angepflanzt; trotzdem konnte man keine Weine vergleichbarer Güte bereiten. Auch die in Tokaj-Hegyalja vorhandenen vulkanischen Böden kommen anderswo vor und das für die Entwicklung der edelfaulen Beeren so günstige Klima ist auch in anderen Weinregionen vorhanden. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren und bestimmt auch die feuchtigkeitsspendenden Flüsse Bodrog und Tisza, der Zeitpunkt der Weinlese, die Kelterungs- und Ausbaumethoden sowie die Keller sind ausschlaggebend für die einzigartige Qualität dieser Weine.
Tokaj-Hegyalja
Tokaj-Hegyalja ist Ungarns berühmteste Weinregion, deren Grenzen schon in 1737 ein königliches Dokument definierte. Das jetztige Weinbaugebiet ist ungefähr 5000 ha groß, wo Wein in 26 Siedlungen nach den strengen Regeln des ungarischen Weingesetzes produziert wird.
Landschaftsbild und Böden
Tokaj-Hegyalja gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Weinregion, die sich an den charakteristischen vulkanischen Zeltbergen des Zemplén emporrankt, breitet sich auf einer Länge von 40 Kilometern oberhalb des ausgedehnten Überschwemmungsbebiets de Bodrog aus. Ihre Grenzen markieren die ein imaginäres Dreieck bildenden zeltförmigen Berge bei Tokaj, Sátoraljaújhely und Abaújszántó. Der Zauber, der von Tokaj-Hegyalja ausgeht, verdankt sich nicht nur der überwältigenden Landschaft und dem magischen Gold der Wine, sondern auch den von einst reichen Bürgern und Adligen errichteten Marktflecken. Die vulkanischen Böden - am Kopasz-hegy von einer Lössschicht bedeckt - liefern die mineralischen Aromen, während die Flüsse Bodrog und Theiss die für die Botrytisbildung erforderliche Feuchtigkeit gewährleisten.
Historisches zu Wein und Weinbau
Der Weinbau in der Tokajer Region kann auf über tausendjährige Vergangenheit zurückblicken, doch setzte die Produktion der edelsüssen Botrytisweine in ihrem gegenwärtigen Stil nur im 16.-17. Jahrhundert ein. Bereits in der 60-er Jahren des 16. Jahrhunderts beachtliche Weine in Tokaj hergestellt wurden. Lazarus Schwendi, Teilnehmer an den Kämpfen gegen die Türken in Ungarn sollte Weinreben in seine elsässische Heimat mitgenommen haben. Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Region zu einem bedeutenden Weinexporteur.
Begin des 18. Jahrhunderts hat die Weinexport in Tokaj wegen die diplomatische und geschäftsliche Kontakten des Fürstes Ferenc Rákoczi II Aufschwung genommen. Der Fürst finanzierte seine Kriegsausgaben auch aus die Einnahmen seiner Weingüter. Er führte eine erfolgreiche Weindiplomatie in Höfen von Carl der XII von Schweden, Augustus von Poland un Königin Anne von England. Er war oft Gast bei Louis XIV von Frankreich und beschenkte ihm regelmässig mit Tokajer Weinen.
Aus dem Munde des Sonnenkönigs wird auch jener Ausspruch zugeordnet, demzufolge dem Tokajer das Prädikat Wein der Könige, König der Weine zuerteilt wurde: 'Vinum regum, rex vinorum' .
In dieser Zeit erreichte Tokaj seine Berühmtheit und die Weine aus Tokaj wurden von Königen bis Künstlern beliebt (Czar Peter der Grosse von Russland, Czarin Catherine der Grosse von Russland, Friedrich der Grosse, Voltaire, Goethe, Schubert) .
Der Erfolg war noch größer, als der Tokajer von Ärzten als Medicin anerkannt wurde und unter dem Namen 'Vinum Tokajense Passum' in den 1800-er Jahren auch im ungarischen Medizienbuch erwähnt wurde.
Rebsorten:
Die Hauptsorten des Weinbaugebieters sind zwei spät reifende und gut edelfaulbare Sorten. Furmint trägt 60 % und Hárslevelű (Lindenblättriger) 30 %. Beliebt ist auch die Sorte Gelbe Muskateller, aber die wächst nur rund um 5 % des Tokajer Weingebietes. Seit 1990 darf man noch Zéta (Oremus) pflanzen und der Kövérszőlő kommt wieder zurück.
Spezialität: Edelfaule
Edelfäule ist die kosbartste Zuckerkonzentrationsform, die Tokaj-Hegyalja weltberühmt macht. Bei der Edelfäule in Tokaj spielen verschiedene Faktoren zusammen. Frische Luft und Bodennebel im Oktober mit relativer Wärme tagsüber unterstützen die guten Bedingungen für den 'Botrytis Cinerea' Pilz. Der Pilz perforiert die Beerenhaut und erhöht deren Wasserdurchlässigkeit, die Verdunstung von Wasser wird begünstigt, während die restlichen Inhaltsstoffe (Zucker, Geschmacks- und Aromastoffe) in der Traube zurückbleiben. Die Lese spät im Herbst erfordert Sachverständnis, weil die Beeren in Handarbeit von die Weintrauben aussortiert und für die Tokaj Weinspezialitäten verwendet werden.
Keller

Die Weinkeller werden derzeit schon fast nur noch für das Reifen der Tokajer Weine benutzt, wo die Tokajer Weinspezialitäten in 136 liter gönzer und 220 liter szerednyeier Eichfässer reifen. Frische Luft wird über Lüftungslöcher und 'Cladosporium Cellare' bedeckte Wände gesichert. Die Weinkeller zeichnen sich durch eine ideale Luftfeuchtigkeit (90-95%) und eine gleichbleibende Temperatur von 10 bis 12 Grad Celsius aus.
Weinspezialitäten
Tokajer Samoroder (Szamorodni) trocken und süss:
'Szamorodni' is ein polisches Wort, bedeutet 'wie geerntet'. Alle gelesenen Trauben werden ohne Auslese gekeltert , was einen der deutschen Auslese entsprechenden Wein ergibt. Wenn fast der gesamte Zucker direkt zu Alkohol umgewandelt ist, entsteht ein trockener Wein aus Tokaj.
Samoroder wird mindestens ein Jahr in halbvollen Fässern unter einer Hefehaut und ein Jahr in der Flasche gelagert. Wegen des Lagerungprozesses hat er ein Sherrycharakter (Geruch und Geschmack), aber der Unterschied liegt darin, dass man einen Samoroder ohne Alkoholzusatz nur mit edelfaulen Trauben produziert.
Aszú és Aszúesszencia:
Die Aszú és Aszúesszencia Weine werden ausschlieslich aus selektierten Trauben produziert. Most oder Jungwein wird zu der gesondert ausgelesenen Tockenbeerenmaische zugegeben und im Holzfass ausgebaut. Nach der Vergärung sollte der Tokajer Wein mindestens 2 Jahre lang im Holzfass und ein Jahr in der Flasche reifen. Erzeugnisse des Aszú sind vor allem der 3-bis 6-buttige, wobei 3 Butten mind. 60 g/Liter Restzucker, 4 Butten mind. 90 g/Liter Restzucker, 5 Butten mind. 120 g/Liter Restzucker und 6 Butten mind. 150 g/l Restzucker enthalten. Die Aszúesszencia erhält mind. 180 g/Liter Restzucker oder mehr.
Essence:
Essence ist vielleich der wertvollste Wein der Welt. Wegen sein hocher Restzuckergehalt (mind 450 g/Liter) und niedrigem Alkoholgehalt ist er nicht zum Trinken zu empfehlen. Er is eigentlich ein Saft, der sich während der gesondert ausgelesenen Trockenbeerenlagerung am Fassboden sammelt.
Forditás, máslás:
Forditás (umkehren) und máslás (kopieren) sind Aszuweine aus Tokaj mit zweiten Maischeaufguss. Forditás wird von Aszutrester und Jungwein produziert und kann einen Zuckergehalt der 4-5 buttigen Aszuweine enthalten. Máslás wird von Aszugeläger und Jungwein produziert und ist ein Süsswein.
Im Laufe der Zeit – seitdem es schriftliche Tokaji Aufzeichnungen gibt – wurden in Tokaj etwa 150 Rebsorten erwähnt. Indem Tokajer ungarischen Schlägli-Vokabular (1400 – 1410) man nur die „Zele“ (Rebe) und „vad Zele“ (Wildrebe) als Bezeichnungen finden. Im 15. Jahrhundert figurieren im Beszterceer-Vokabular schon die Namen „Muskath“ und Csemenge“ (Dessert).
Der türkische Reisende Evlija Cselebi (1611-1679) berichtet in seinem Werk Wein „Reisen in Ungarn“ . über die Rebgärten der Stadt Kassa (heute: Kosice in der CSFR), die in alten Zeiten noch zu dem Weingebiet gerechnet wurden. Er erwähnt auch mehrere Rebsorten. Unter anderem eine Tokajer „Wunderbare Rebe“, die verschiedene Beeren mit Tokaji vielfarbigen Traubenkernen trug. In einer Gartenbeschreibung aus dem 15. Jahrhundert . kommt auch der Name „Kecskecsesü (Geisdutte) vor.
Balazs Szikszai Fabricius führt 1590 in seinem Werk schon 14 Rebsortennamen an. Der Kaufmann Paul Kéler erwähnte in seinem Buch „Über . die Reben Ungarns“ etwa 50 Rebsorten. Samuel Dombi aus Erdöbénye führt in seinem 1758 in Utrecht in lateinischer Sprache herausgegebenem Buchzum ersten Male folgende Tokaji Rebsorten an: Augusta, Albula, Tumidula und Gemma.
Über den Ursprung etlicher . Rebsorten sind verschiedene Auffassungen verbreitet. Die größte Unklarheit herrscht um die „Furmint-Rebe“. In Italien ist die Meinung verbreitet, dass der Furmint in den Jahren 1100 – 1200 von Tokaji italienischen Siedlern nach Ungarn gebracht wurde. Andere wieder behaupten, dass die „Tocai-Rebe“ im 17. . Jahrhundert aus Venetien durch Prinzessin Aurora Tokajer Formentini eingeführt wurde, und hiervon würde auch sein Name stammen.
Truels und andere Ampelographen leiten demgegenüber die italienische „Tocai-Friuliano“ aus Sauvignon Vert ab. Laut R. E. Gunyon kam der „Furmint“ im 13. Jahrhundert durch wallonische Winzer nach Ungarn, als König Béla IV. nach dem . Tatareneinfall verschiedene Siedler nach Ungarn holen ließ.
Nach . anderen Berichterstattern kam die Furmint-Rebe aus dem Osten durch den Balkan nach Ungarn; sie wurde erst im 18. Jahrhundert Furmint genannt. Einige wollen diesen Namen aus dem italienischen . „Formien“, andere wiederum aus dem französischen „froment“ bzw. „frumentum“ ableiten. In Frankreich versteht man unter „Furmint“ auch auf Stroh getrocknete Beeren. Es steht aber fest, dass in Tokaj die Trauben nie auf Stroh getrocknet wurden. . Höchstens ließ man sie 1 – 2 Tage vor der Verarbeitung abtrocknen, falls sie nass gepflückt worden waren.
Eine alte Rebsote war auch der Bakator. Einige Autoren behaupten, dass er von italienischen Siedlern nach Ungarn gebracht wurde. Sein ungarischer Name wird von diesen Autoren aus dem „bocca d’oro“ abgeleitet. Andere schrieben, dass er aus der kroatischen Ortschaft Bukkari stamme; sie bezeichnen ihn als „uva buccara“. Es ist auch nicht völlig auszuschießen, dass der Name „Bakator“ von dem Stamm der Kabaren nach der Landnahme im Karpatenbecken der hier vorgefundenen Rebe gegeben wurde. Bakator ist nämlich auch ein alter kabarischer Name. Der Sonnengott hieß bei ihnen Bak, Bakota oder Bakar. In Tokaj und am Plattensee wird diese Rebe auch heute noch „Bakar-Traube“ genannt. Auch hier wohnten in alten Zeiten kabarische Volksstämme. Diese Traube spielt heute in der Weinbereitung eigentlich keine Rolle mehr.
Im Laufe der Zeit wurden die verschiedenen Rebsorten recht ungleich bewertet. Das Parlament des Jahres 1807, das für die Entwicklung des Rebanbau und der Weinbereitung in Tokaj sehr umfassende Bestimmungen traf, schlug für den Anbau nur insgesamt 16 Rebsorten vor. Dieses Gesetz hat übrigens den Anbau von „schwarzen Trauben“ noch nicht verboten, hat aber 30 Rebsorten auf die Liste der „auszurottenden“ gesetzt.
In einem ausführlichen Werk über Tokaj aus dem Jahr 1867 wurde der heute wenig bekannte Augster noch als bedeutende Rebsorte erwähnt. Auch in diesem Weingebiet trifft es zu, dass naturgemäß nicht alle Reben immer zu den allervorzüglichsten gehören. Es ist aber dennoch leicht ersichtlich, wenn man an den Furmint und an den Lindenblättrigen denkt, in welchem Maße der Boden und das Klima die Qualität einer Rebe und damit eines Weins steigern können.
Gegenwärtig findet man in dem Tokajer Weingebiet aus der Siecht der Weinbereitung nur drei Rebsorten: den Furmint mit einem Anteil von 55-60%, den Lindenblättrigen, dessen Anteil 35-38% erreicht, und den Gelben Muskateller mit einer Beteiligung von etwa 4-5%.
Bevorzugt die warme Lage, gegen Frost empfindlich. Sein Ursprung ist ungeklärt, Hauptanbaugebiet . Ungarn, in anderen Ländern nur in kleinerer Menge angebaut. Verträgt die Trockenheit nicht besonders gut. Seine Fähigkeit zur Trockenbeerenzubereitung (Aszu-Bereitung) ist sehr gut.
Traube: sehr abwechslungsreich, mittelgroß, locker; bringt hohe Erträge, späte Reife.
Beere: mittelgroß-groß, gelbgrün bis rotbraun, dünnschalig, gute Ausbrucheigenschaften.
Wein: bringt einen ziemlich harten, robusten, alkoholreichen . Wein mit hoher Säure und typischer Frucht; von rassiger Eleganz mit feinem, unverwechselbarem Duft, trocken bis süß.
Traube: groß, länglich, lose, bringt eine mittlere Ernte.
Beere: mittelgroß, rund, weißgelb bis grüngelb. Wein
Wein: betonter Charakter, süß-herbes Bukett, säurereich, aromatisch, würzig.
Bevorzugt die gute Lage, mag Sandgebiete nicht; frühreif, hat gute Frostbeständigkeit. Weniger Aszu-fähig als der Furmint.
Traube: klein bis mittelgroß, dichtbeerig, gute Ernte. .
Beere: mittelgroß, rund.
Wein: stark duftend, aromatisch, gefällig, feurig, Muskatton. Der Duft nimmt mit Tokajer der Alterung ab.
Außer den soeben aufgeführten drei „herrschenden“ Sorten gibt es heute noch um die 40-50 bekannte weißen Rebsorten und Abkömmlinge, die in den Rebgärten oder in den Hausgärten – sporadisch – noch vorkommen, aber in der Weinbereitung praktisch keine Rolle mehr spielen. .
Historisch Weinberge – berühmte Besitzer
Wegen der ausgezeichneten Qualität und des Weltruhmes der Tokajer Weine habe sich im laufe der Jahrhunderte so manche Wein hervorragenden Persönlichkeiten (heute würde man sie als „Prominente“ oder VIP = very important persons bezeichnen) bemüht, ein Weingut gerade in diesem Weingebiet zu erwerben.
Der Kaiser hatte hier sein Weingut und seit 1711 auch der jeweilige König oder die Königin. Auch die Palatine des Landes und natürlich viele des Hochadels.
Aber auch Städte, Gemeinden und verschiedene Körperschaften haben hier Weingüter besessen. So hatten auch die Städte Kasse, Eperjes, Löcse, Bártfa und Kisszeben Weinberge in dem Tokajer Weingebiet. Von den Kirchen waren es die Bistümer Szepes und Eger, sie alle ließen hier Weinbau betreiben.
Auch Ausländer haben sich bemüht, in den Weinregionen einen Weinberg zu Wein besitzen. So haben hier auch die russischen Zaren Weinberge nicht nur gepachtet, sondern sogar als Besitz erworben. .
In der Geschichte Ungarns findet man kaum eine wirklich namhafte Familie oder Aristokraten, Magnaten, die hier kein Weingut besessen hätten.
Der Besitz eines Weinberges in Tokaj (Ungarn Wein) ist zum Statussymbol geworden; er blieb es auch Jahrhunderte lang. Die Flur- und Lagennamen waren durch Jahrhunderte noch identisch mit dem Namen ihrer früheren Besitzer. Im Weingebiet der Stadt Tokaj sind 176 solche Lagenamen bekannt, von denen 52 heute noch benutzt werden. (Leider nicht auf den Flaschenetiketten!)
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In Tokaj haben noch folgende adlige Familien Weingüter: Die fürsten Szapolyai; Gábor Bethlen; István Bocskai; István Báthori; Graf Andrássy; Graf Brunswick; Graf Buttler; Graf Eszterházy; Graf Sztáray; Graf Szirmai; Graf Teleki; Tokaji Döry; Baron Meskó; Baron Lutzinsky; Baron Patay, Baron Josika.
Weiterhin werden die namhaftesten und bekanntesten Lagen in einigen Ortschaften sowie auch die Familiennamen aufgezählt, die dort Weinberge gehabt haben:
TARCAL
Weinbergslagen: Szarvas; Királygál; Mandulás; Mester und Barát.
Famielein: Hunyadi, Szapolyai, bethlen, Graf Andrássy, Graf Csáky und die Orden Prämonstratenser und Paulaner.
Weinbergslagen: Királyhegy, Urágya, Nyulászó, Szent Tamás und Birsamás.
Familien: Graf Eszterházy, Graf Csa´zy, Graf Csa´ky, Graf Andra´ssy, Graf Battha´nyi, kazinczy, Patay Dereki und Borsai.
Weinbergslagen: Görbe, Hasznos, Nyerges, Messzelátó, Meszes und Bányász. Tokajer
Familien: Graf Szirmay, Baron Mailáth, Graf Barkóczy, Baron Vécsey, Baron Sponer, Barczay, Berzeviczy, Görgey, Bulyavszky, Fürst Rákóczi und Báthori.
MEZÖZOMBOR .
Weinbergslagen: disznófö, Galambos, Csákány, Király, Kapy und Nagy Lajos.
Familien: Graf Lónyay, Graf Andrássy, Erzherzog József, Fürst Rákóczi.
BODROGKERESZTÚR
Familien: Rozgonyi, Fürst Rákóczi, Fáy, Erdödy, Graf Szirmay, Wein Herzog Hohenlohe.
ERDÖBÉNYE
Weinbergslagen: Diós, Omlós.
Familien: Perényi, Pálóczy, Lórántffy, Graf Szirmay, Rákóczi-Aspremont, Erdödy, Ferenczy, Kolozsy.
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OLASZLISZKA
Weinbergslagen: Palandor, Csontos, Narancs, Mandulás und Meszes.
Familien:L Fürst Bocskai, Wein Perényi, das Bistum von Szepes.
Familien: Herzog Lónyai, Kállay und Zsedényi.
Weinbergslagen: Szentvér, Kincsem, Gyopáros, Királyszölö, Mandulás, Melegmáj und Ciroka.
Familien: Baron Waldbott, Wein Graf Niczky, Görgey, Graf Szirmay, Kállay, Viczmándy, Dessewffy, Pethö, Ghillányi, Serédy und Andrássy.
Weinbergslagen: Megyer, Királyhegy, Hotyka, Szegfü.
Familien: Laczay, Szemere, Metzner, Eperjessy.
Weinbergslagen: Nagykáté, Melegoldal, Szárhegy, Boglyoska, Vereskapu, Várhegy, Köveshegy Viola und Szemszúró.
Familien: Graf Széchenyi, Graf Cebrian, Wein Graf Sennyey, Graf Sztáray, Baron Waldbott, Baron Balassa, Graf Mailáth, Herzog Windischgrätz, Nyomáskai, Kossuth, Görgey, Ambrózy, Laczay, Graf Szirmay, Izsepi, Adriányi, Szentiványi, Fáy, Tokaji Bessenyei und der Piaristen-Orden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Staatsgüter und Produktionsgenossenschaften die alten historischen Lagebezeichnungen leider in kärgliche, phantasielose „Betriebsmarkierungen“ umgeändert. Sie wollten auch mit dieser Maßnahme mit den ehedem Herrschenden „abrechnen“: Sie haben dabei dem Ruf nicht nur der Tokajer Weine Schaden zugefügt! So lautet z.B. ein alter, traditionsvoller Lagename Tokajer nachher: Tafel I, Tafel II usw. oder VII/1, VII/2 usw. Kleine Mosaiksteine innerhalb eines langfristigen Programms; weg mit den alten Traditionen!
Heute haben noch einige große Lagen wie z.B. Szarvas, Hétszölö, Rákóczi, Kincsem, Pajzsos usw. zwar noch alte Bezeichnungen, die aber nur in den Betriebsbüchern, nicht bei dem getrennten Ausbau oder den Weinbezeichnungen aufgeführt sind. Deswegen findet der Freund der Aszu-Weine keine solchen Flaschen. im Handel, die die alten Lagebezeichnungen tragen. Als Trost kann er aber nach alten Flaschen jagen, die die Etiketten der erwähnten Lagen oder Familien – vielleicht noch aus früheren Jahrhunderten – tragen.
Die Aufzählung berühmter Weinbergbesitzer wäre freilich zu lückenhaft, falls man nicht erwähnen würde, dass auch die russischen . Zaren hier Weinberge gepachtet, ja sogar besessen haben, und zwar fast 100 Jahre lang.
Schon Peter der Große suchte nach der Möglichkeit, in Tokaj Weingüter zu kaufen. Bis zum Ende des Rákóczi-Freiheitskampfes sind die Tokajer Weine ohne besondere Hindernisse nach Russland gelangt. Dies war in erster Wein Linie den guten Beziehungen zwischen dem Zaren und dem Fürsten Rákoczi zu verdanken. Nach dem Zusammenbruch des Aufstandes 1711 haben die Weinlieferungen bedeutend abgenommen.
Anfang des 18. Jahrhunderts schickte Peter der Große den aus einer griechischen Handelsfamilie stammenden Hauptmann Paraskevic und den Gardeunteroffizier Jermolaj Korsakow nach Ungarn, um 300 Fass ungarischen Wein zu kaufen. Als Tauschware hatten die Russen Felle im damaligen Wert von etwa 10 000 Rubel mitgeführt. Der Kauf wurde abgewickelt, aber die polnischen Behörden hatten während des Transportes unter Bezug auf verschiedene Abgaben – unerwartet – etwa die Hälfte der Sendung beschlagnahmt.
Im Jahr 1716 reiste Grigorjev Savva aus demselben Anlass nach Ungarn und kauft dort Wein ein. Die Nachfahren Peters des Großen, Katharina Wein I. und Peter II., haben für Tokajer Weine von der Wiener Hofkammer eine Zusicherung für zollbegünstigte Lieferungen erhalten gehabt. Dadurch nahm auch das Interesse des Hofes und der vornehmen kreise in Wien dem Tokajer gegenüber weiter zu. Die Tokaji Lieferungen aber stockten weiterhin. Deswegen hat die Regentin Anna Ivanovna im Juni 1733 die „Kommission der Ungarisch en Weine“, oder wie sie in Ungarn immer genannt wurde, die „Russische Weineinkaufskommission“ in Tokaj gegründet. Mit deren Leitung wurde der Oberstleutnant Fjodor Visnyevskij Tokajer beauftragt.
Ein am 6. April 1745 datierter Erlass der Zarin Elisabeth schreibt dem Oberstleutnant vor, nur die besten Weine und diese ausschließlich von den Herstellern zu kaufen. Der Jahresauftrag galt für den Kauf von 500 Antal Wein (Ein Antal-Fass enthält etwa 75-78 Liter).
Die Kommission hatte sich in der Stadt Tokaj eingerichtet. Sie arbeitete fleißig, und die Lieferungen wurden aufgenommen. Sie kauften fertige Weine, aber auch Aszu-Beeren und ließen diese zu Aszu aufbereiten. Der Kauf von Aszu-Beeren Tokajer war in diesem Weingebiet für Ausländer verboten, dies aber war der Kommission Tokaji anfangs nicht bekannt gewesen.
Die Transporte erfolgten bis zur Weichsel auf Fuhrwagen, dann auf dem Fluss mit Flößen, von Gdansk (Danzig) an weiter auf Schiffen der Zaren-Flotte.
Visnyevskij wurde beauftragt auch Weinberge und Weinkeller zu pachten, um mit der Hilfe von Tagelöhnern und Winzern, Wein möglichst preisgünstig selber zu bereiten. Der Grund dafür war, dass die Weine anfangs zu teuer eingekauft wurden. Auch die Kosten der Kommission und der Lieferungen lagen über den Erwartungen. Deswegen hat die Regentin Anna Leopoldova im Jahr 1740 die Tokajer Tätigkeit der Kommission vorübergehend eingestellt.
Einige Jahre lang haben dann die griechischen Wein Weinhändler Dimitrij und Atanas Paraskevic und Diamold Altenzsi den Hof der Zaren mit Tokajer-Wein versorgt. Die Kommission konnte ab 1746 einige Weinberge für längere Zeit pachten. Ihre Bemühungen aber, Weinberge auch käuflich zu erwerben, blieben wegen der Tokaji ungarischen Landesverordungen für Weinanbau usw. erfolglos; nur erlassene Weinberge konnten erworben werden.
Visnyevskij starb 1749 in Tokaj, aber die Kommission arbeitete unter Leitung des Majors Zsolobow, dann unter Major Rasog weiter; zuletzt leitete sie der Hauptmann Sawa Gorew. Bis 1798 hatte die Kommission einen Personalbestand von 35-40 Personen. Ihre Arbeit wurde leider von den wechselnden politischen Bündnissen, durch die Eigeninteressen der Habsburger und der Landesbehörden oft behindert, verhindert. .
Weder der Wiener Hof noch die ungarischen Obrigkeiten hatten die kommerzielle Bedeutung der Tätigkeit dieser Kommission richtig erkannt: Sie hat nämlich nicht nur Weine gekauft, sondern inzwischen auch Tuch und andere Ausrüstungen für die Soldaten der zaristischen Armee. Sie zahlten zuerst mit Marder- und Zobelfellen, später auch mit Gold.
Im Jahr 1752 begann ein Jahrzehntelanger Rechtsstreit wegen der für Weingärten und Häuser zu zahlenden Abgaben. Er endet mit der „Zurücklösung“ der Liegenschaften durch die Kammer, worauf Zar Peter II. im Januar 1798 die Arbeit der Kommission endgültig eingestellt und die Belegschaft nach Russland zurückbeordert hatte.
Auf den Spuren der Tokajer Weinstöcke
Zwei Humanisten vom Hof des Königs Matthias (1458-1490) haben eine legende über die Tokajer „Goldrebe“ verbreitet.
Marzio Galeotto, Annalist des Königs, berichtet im Wein Kapitel XXVI seiner Chronik, dass Gold im Ruten- und Fadenform um und in den Weinreben von Tokaj wüchse. Diese Fäden seinen leicht zu biegen, und er selber trüge einen so gefertigten goldenen Ring.
Pietro Ranzano schreibt in seinem Buch „Epitome rerum Ungaricum“ über Goldreben, die er selber gesehen habe.
Die weltberühmte Autorität der Heilwissenschaft des 16. Jahrhunderts, Philippus Tokajer Aureolus Paracelsus, Professor an der Universität Basel, besuchte im Jahre 1524 Ungarn und schrieb in seinen Notizen: „Als ich Oberungarn besuchte und meinen Weg über Tokaj und Umgebung, Mád, Tracal, Tállya nahm, habe ich mit meinen eigenen Augen ein – vom Gastgeber durchgeschnittenes – Rebenholz gesehen, in dem Tokaji längliche Goldfäden liefen, mit denen man zu spinnen pflegte.“
Wahrscheinlich kam der damalige Glaube, dass die Weine um Tokaj ihre ausgezeichnete Qualität aus dem, in dem tiefen Schoss der Früheren Vulkane verborgenem Gold schöpften, aus diesen drei Quellen.
Diese Mär verbreitete sich auch noch in den Jahren 1600 – 1700. Verschiedene Legenden haben diese Vermutung weiter bekräftigt. So schrieb Werner Everhardt Happel, deutscher Arzt und Romanschreiber (gest. 1690), in seinem Buch „Thesaurus Exoticorum“ über einen Leibeigenen, der im Weinberg des Adligen Tokajer Walpataky ein Rebholz aus Wein Gold gefunden habe.
Nach einer Erzählung des Hofarztes des Fürsten Zsigmond Rákóczi fand man auf dem hoheitlichen Tisch bei einem Festessen eine Traube, die goldene Kerne hatte.
Die Legenden haben sich im Laufe der Zeit Wein auch im Ausland verbreitet. Man hat die Reben aus Tokaj in verschiedene Länder der Welt hinausgebracht: Wenn schon nicht Gold, dann hoffte man zumindest ähnlich gute Weine wie in Tokaj gewinnen zu können. Demeter Görög (1760-1833) berichtet in seinem Werk über Weinreben aus dem Tokajer Weingebiet in Spanien, in Frankreich, in Italien und im deutschen Rhein-Weingebiet.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (etwa nach 1560), als Frankreich ein Tokajer gewisses Interesse für edle, neue Rebsorten zeigte, kamen ungarische Reben auch in andere französische Weingebiete.
Die Bekanntschaft mit dem Aszu-Wein hat auch in Russland die Begehrlichkeit geweckt, ungarische Reben – besonders die von Tokaj – anzupflanzen. Aus dem Brief von Peter dem Großen an den Herzog von Dolgorukij, datiert am 2. Februar 1711, ist bekannt, dass er für die Erneuerung des Rebbstandes seines Weingutes von Asov Reben aus dem Tokajer Weingebiet pflanzen ließ.
Ein Drittel der bestellten Sendung wurde in Asov, zwei drittel in Astrachan angepflanzt. Im Jahr 1722 nahm der Zar die Bepflanzungen selber in Augenschein und beorderte Samuel Turkoly, einen kurutzer Oberoffizier, nach Astrachan, um den dortigen Weinbauern die Kniffe des ungarischen Weinbaus und der Weinbehandlung beizubringen. Nach dem Tod von Turkoly sind die Rebpflanzungen in Astrachan sehr heruntergekommen. Mit der Erneuerung wurde 1752 Ivan Porobics, ein eingewanderter serbischer Wein Offizier, beauftragt, der von 1746 bis 1748 in der Tokajer Weinankaufkommission tätig war. Ihm leistete Ingenieur J. Veseluhin Hilfe, der ebenfalls eine längere Zeit als Mitglied der Kommission in Tokaj gearbeitet hatte. Die Rebsorten wurden aber nicht nur in den staatlichen Weingebieten, sondern auch auf Privatgütern des Hochadels angepflanzt.
Später, auf der für Weinbau sehr geeigneten Halbinsel Krim hat man Versuchspflanzungen von aus Tokaj gelieferten Reben gesetzt. Im Jahr 1784 hatte die Weinankaufskommission von der Hofkanzlei einen Auftrag für den Kauf von 38000 Tokajer Reben erhalten.
Unter Aufsicht des zaristischen Unterleutnants Jurij Bimbolassar, Sohn des in Tokaj lebenden griechischen Weinhändlers Bimbolassar, und des Flaggleutnants Vasilij Poreczanyin wurden im Januar 1785 19.000 Reben nach Russland geliefert. Hiervon verpflanzte man in Fundukli 6000 und neben Starij Krim 5000 Stück. Der Rest wurde in der Umgebung von Kacha und Sudak angepflanzt. Um den Erfolg voranzutreiben, wurden auch drei Tokajer Winzerfamilien für drei Jahre angeworben, sie reisten alsbald nach Russland. Laut Aufzeichnungen des schon erwähnten Demeter Görög wurden jedoch schon am Ende des 17. Jahrhunderts mehrere Tausend ungarische Reben für die Burg Chotym geliefert und angepflanzt.
Wie schon gesagt: Es gab und gibt keine ausgesprochen Tokajer Rebsorten. Trotzdem findet man in der russischem Ampelogie die aus Tokaj ausgelieferten Rebsorten unter den Tamen „Tokajski“ und Tokajer Krupnij“.
Wir erwähnten bereits am Anfang, dass einige Rebsorten aus Italien nach Ungarn gebracht worden sind. Doch ob später etwa auch Reben aus dem Tokajer Weingebiet nach Italien geraten sind, das bleibt nur eine Vermutung. Die in der Árpáden-Zeit nach Tokaj übersiedelten italienischen Winzer sind später . wahrscheinlich nach Friuli zurückgekehrt. Man begegnet in Friuli öfters den Wein Namen Toccai, Tocai und Tokay. Es wäre schon interessant zu erforschen, seit wann und wie diese Namen in italienische Urkunden und Dokumente hineingekommen sind. Falls italienische Winzer wirklich aus Ungarn zurückgekehrt sind, kann man mit gewisser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie auch Reben mitgenommen haben.
Wer würde glauben, dass eine Sieldung mit dem Namen Tokaj sogar noch in Südafrika existiert? Sie liegt südlich von Kapstadt und wurde angeblich von ungarischen Siedlern, die nach der Niederschlagung des ungarischen Freiheitskampfes (1848) ausgewandert sind, gegründet. Diese Emigranten haben sicherlich auch Reben mitgenommen. Ob diese aus dem Tokajer Gebiet waren oder nur der „Romantik“ wegen so genannt wurden, das ist freilich fraglich.
Die Weinreben aus Tokaj gelangten nach einigen älteren, aber nicht nachgewiesenen Quellen auch noch Kalifornien. Ágoston Haraszthy wanderte als junger Mann in die Vereinigten Staaten aus und führte in Kalifornien in den 1840er Jahren schon die ersten größeren und systematischen Rebanpflanzungen durch. Man betrachtet ihn als den „Vater“ der kalifonischen Weinkulturen. Er gründete dort die Siedlungen Sauk-City und Sonoma sowie die „kalifornische Weinbauer Gesellschaft“, ebenfalls auch eine Weinbauschule in Sonoma-Stadt. Er sammelte die besten Rebsorten in Europa und experimentierte mit diesen auf seinem großen Weingut in Kalifornien.
Anläßlich seines 150. Geburtstages würdigte der Staat Kalifornien seine Tätigkeit in einer Resolution. Sie lautet: „Ihm ist es zu danken, dass die Rebflächen Kaliforniens von 7000 Acre im Jahr 1860 auf 460 000 Acre bis zum Jahre 1960 gewachsen sind. Er ist der Vater der Verbreitung der Rebkultur und er gestaltete Kalifornien zum Rebgarten der Vereinigten Staaten. Ihm gebührt Dank . dafür, dass etwa 80% der Weinproduktion der Staaten in Kalifornien geerntet wird.“
1962 wurde in Sonoma sein Denkmal mit der Inschrift aufgestellt: Ágoston Haraszthy, Sohn Ungarns – Pionier Kaliforniens. Sonoma – Tokaj 1812 – 1860.“
Das alles klingt zwar recht schmeichelhaft für die Ungarn, aber zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Haraszthy wahrscheinlich keinerlei Furmint-, Lindenblättriger- oder gar Muskateller-Reben aus dem Ursprungsweingebiet in die USA eingeführt hat. In seinen Schriften hat er selber nichts darüber erwähnt.
Andererseits ist es kaum zu erklären, warum er, der aus Ungarn stammende Adlige, aus dem damals schon längst weltberühmten Tokajer Weingebiet keine Rebsorten unter seinen 165 mitgebrachten, besten europäischen Sorten gehabt haben sollte.
Auf der Weinausstellung in Kalifornien im Jahre 1859 haben zwei Haraszthy-Weine mit den Namen „Monise“ und „Tokay“ die allerbesten Wertungen erreicht. Dieser „Tokay-Wein“ hat aber mit den original ungarischen Tokajer-Weine keinerlei Verwandtschaft gehabt.
Alte Weinberggesetze
Seitdem Rebe und Wein existieren, seitdem gibt es auch Gesetze, Gewohnheitsrechte und Volksbräuche, die mit diesen beiden zu tun haben.
Die Gewohnheitsrechte sind älter, die Gesetze folgen erst später. Letztere entstanden immer dann, wenn ein wirtschaftlicher, ein gesellschaftlicher Konflikt ihre zwingende Notwendigkeit erforderten. .
Das erste schriftliche ungarische Gesetz, in dem auch die Weingüter erwähnt wurden, erließ um 1100 König Kálmán. Im 17. Kapitel des I. Buches seines Dekrets ist festgelegt: „Weingüter, Häuser und Güter sollen immer im Besitz derer bleiben, die sie zu erhalten haben.“ Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts brauchte man in Tokaj eigentlich keine umfassenden oder besonderen Weinberg- und Weingesetze, weil die Marktflecken in dem Weingebiet Tokaji sein dem 16. Jahrhundert über einheitliche Weinbergordnungen verfügten. Andererseits haben die allgemeinen Gesetzbücher die anerkannten Rechtsgewohnheiten in den Marktflecken schon beinhaltet. .
Die Landesgesetzte regelten in diesem Zeitabschnitt ausschließlich die Eintreibung der nach Weinberg und Weinernte fälligen Neuntel- und Zehntel-Abgaben sowie Lieferung und Verkauf von Weinen.
Am Anfang des 18. Jahrhunderts haben in das Weingebiet eingesiedelte Fremde im Tokajer Handel gewisse Konflikte ausgelöst. Deswegen wurden von dieser Zeit an Gesetze geschaffen, die es den Händlern ohne Weinbergbesitz verboten, Weingüter, Weintrauben und Weine für den Wiederverkauf zu erwerben.
Die Gesetze wurden eigentlich im Interesse der Weinqualität geschaffen und auch, um den Verfall der Weingüter zu verhindern. Sie wurden jedoch von den Händlern durch Pachtverträge und Hypotheken umgangen, die die berühmten „Löcher“ im Tokaji Gesetzeszaun fanden.
Viel interessanter und typischer als die allgemeinen Gesetze sind die Weinbergordnungen. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1561. Diese sind aber verloren gegangen, und man kennt sie nur aus späteren Hinweisen und Berufungen.
Die ersten komplette Weinbergordnung, die uns überliefert ist, wurde 1641 in der Gemeinde Mád zusammengestellt; sie besteht aus 48 Punkten. Sie wurde in lateinischer Sprache niedergelegt und als „Puncta Regulamenti Culturae Vinearum“ betitelt. Hier sollten jetzt einige ihrer Festsetzungen genannt werden:
- ein guter Rebenpfahl kann 17 Jahre lang verwendet werden;
- zum Feuermachen dürfen nur völlig unbrauchbare, alte, zerbrochene Pfähle benutzt werden;
- Pfähle dürfen aus dem Weinberg nicht heimgebracht werden;
- Der Weinberghüter soll persönlich wachen, Wein er darf für sich niemanden als Tokaji Ersatz einstellen;
- Schlechte, flüchtige Hauarbeit wird mit Geldstrafe belegt;
- Wer von anderen Weinreben stiehlt, dem wird eine Hand abgeschlagen;
- Wer die Instandhaltung der Weinberge vernachlässigt, bekommt eine Geldstrafe;
- Es ist verboten, zwischen die Rebzeilen Kürbis, Rüben oder türkischen Weizen zu pflanzen.
Fürst Imre Thölöly hat seine Weinbergordnung am 3. März 1684 veröffentlicht. Viel ausführlicher war die des Fürsten Ferenc Rákóczi II., in der er seine anlässlich einer Rhein –Weinreise erworbenen Erfahrungen einarbeiten ließ. Eine Neuausgabe erschien 1706.
Diese Weinbergordnungen sind neben ihrem historischen Wert auch deswegen wertvoll, weil sie alle Phasen des damaligen Weinbaus einschießen und zugleich zahlreiche Angaben über die Lebens- und gesellschaftlichen Verhältnisse des jeweiligen Weingebiets enthalten.
Außer diesen Weinbergordnungen findet man in den Gesetzbüchern von fast allen Gemeinden auch Verfügungen über die Reben und den Wein. Besonders die in den Tokajer Ortschaften Tokaj, Mád, Tállya und Tarcal aufgefundenen Gesetzbücher geben sehr viele Informationen über Weinverkauf und Weinzehnt.
Auch die aus dem Weinzehnt eingeflossenen Weinmengen werden erwähnt, und so kann man auf die jeweiligen Ernteergebnisse Wein schließen. Die Weinernte erreicht z. B. um 1600 in der Stadt Tokaj nach den Weinzehntpflichtigen Weingütern etwa 800-1000 hl. Die vom Weinzehnt befreiten Weingüter produzierten etwa die gleiche Menge. So kann man die Gesamtweinmenge mit um die 2000hl veranschlagen.
In den Rechtsnormen über den Kauf von Weingütern herrschte das so genannte „Blutgesetz“. Dies schrieb vor, er im Falle eines Angebots in diesem Gebiet ein Weingut erwerben konnte. An erster Stelle kamen die Blutsverwandten. Falls aus diesem Kreise niemand kaufen wollte, dann konnten zuerst die Nachbarn, und wenn auch diese keine Kaufabsicht hatten, konnte jedermann aus der Ortschaft das Weingut erwerben. Fremde kamen erst nach den Einwohnern der Ortschaft an die Reihe. Für Ausländer war der Erwerb von Weingütern verboten. Sie haben aber sich Weinberge als Hypothek verschreiben lassen, oft sogar für 30-50 Jahre. So kamen auch die russischen Zaren zu fünf Weingütern und Kellern in der Stadt Tokaj.
Falls jemand einen brachliegenden Weinberg fand, ihm bearbeitete und drei Jahre lang kein Protest oder keine Mißbilligung erfolgte, so konnte der Weinberg in seinen Besitz übergehen.